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Industriekultur in Siegen

Die Stadt Siegen und ihre Umgebung sind geprägt von einer reichen Industriekultur, die tief in der Geschichte der Region eingebettet ist. Zahlreiche historische Stätten und Denkmäler zeugen von der langen Tradition des Bergbaus und der Eisengewinnung sowie der industriellen Innovationen.

 

Siegerlandmuseum

Auf dem Siegberg thront das Obere Schloss mit dem Siegerlandmuseum. Das Museum wurde 1905 eröffnet und feiert in 2025 120 Jahre Jubiläum. Das Siegerlandmuseum verfügt über einen reichen Sammlungsbestand, der sich in fünf Abteilungen gliedert und auf etwa 1500 qm Ausstellungsfläche gezeigt wird.

Über einen Zeitraum von rund 2500 Jahren prägten die Erzgewinnung und -verarbeitung maßgeblich die regionale Wirtschaft des Siegerlandes. Archäologische Bodenfunde aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit belegen, dass die reichen Bodenschätze frühzeitig zur Besiedlung dieser Region beitrugen. Bereits in der Latène-Zeit (um 150 v. Chr.) wurde in sogenannten Windöfen Eisen gewonnen – ein originales Exemplar dieser Technik ist bis heute erhalten und ausgestellt.

Ab dem 14. Jahrhundert kam die Wasserkraft ins Spiel: Wasserräder trieben Hütten- und Hammerwerke an, die als Vorläufer moderner industrieller Anlagen gelten. Die technologische Entwicklung vom einfachen Hammerwerk über den Puddelofen bis hin zum Dampfhammer wird anschaulich durch detailgetreue Modelle dargestellt.

Als zweite vorindustrielle Energiequelle spielte die Holzkohle eine zentrale Rolle. Ihre Gewinnung erfolgte durch die spezielle Waldwirtschaft des Siegerlandes, den sogenannten Hauberg. Dieses nachhaltige System sicherte die Rohstoffversorgung der regionalen Eisenverarbeitung über Jahrhunderte hinweg.
Quelle: Siegerlandmuseum

Schaubergwerk
Eine besondere Attraktion der Burganlage ist das 1938 angelegte Schaubergwerk, dass sich rund 14 Meter unter dem Schlosshof erstreckt. Auf einer Länge von etwa 100 Metern gibt es einen lebendigen Einblick in die Arbeitswelt der Siegerländer Grubenbetriebe vor der Industrialisierung. Originale Abbaugeräte (Gezähe), Fördervorrichtungen und eine Wettertrommel veranschaulichen eindrucksvoll die anspruchsvolle Tätigkeit der Bergleute unter Tage.

Das Schaubergwerk bietet eine einzigartige Gelegenheit, den historischen Erzbergbau hautnah zu erleben. Hier können Besucher einen Eindruck davon gewinnen, wie mühsam und gefährlich die Arbeit unter Tage einst war. Fachkundige Führungen bringen die Geschichte des Bergbaus lebendig näher und machen den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Großer und Kleiner Krebs

Der Ausblick von den Batterietürmen "Kleiner Krebs" und "Großer Krebs" ist bemerkenswert. Früher dienten sie dazu, Feinde im Umland zu identifizieren. Im Falle eines Angriffs auf Siegen waren große Geschütze und Kanonen zur Abwehr bereit. Die Stadt hat sich seit damals signifikant verändert und ist heute eine pulsierende Universitätsstadt. Nichtsdestotrotz ist der Ausblick vom "Kleinen Krebs" und "Großen Krebs" auf Stadt und Umgebung nach wie vor einzigartig.

Eisenhütten und Eisenhämmer im Siegerland

Die Eisenhütten und Hämmer des Siegerlands wurden im Mittelalter von den Berghängen in die Täler verlegt, um die Wasserkraft optimal zu nutzen. Dies leitete einen wirtschaftlichen Aufschwung ein, bei dem Mitte des 15. Jahrhunderts rund 40 Blas- und Hammerhütten entstanden. Diese Entwicklung führte zur systematischen Bewirtschaftung der Niederwälder, wodurch das Siegerland eine der führenden Eisenregionen Europas wurde.

Das traditionelle Hüttenwesen, das auf Holzkohle als Brennstoff basierte, konnte sich mit der Industrialisierung nur bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts behaupten. Danach verlagerte sich die Massenproduktion ins Ruhrgebiet. Durch technologische Fortschritte wie das Puddel-, Siemens-Martin- und Elektro-Ofen-Verfahren spezialisierte sich die Siegerländer Stahlindustrie auf hochwertige Güter. Dieses Fachwissen führte zur Gründung mittelständischer Walzenguss-, Walzwerks- und Maschinenbaubetriebe, die teils bis heute konkurrenzfähig sind. Materielle Spuren der traditionellen Hütten- und Hammerwerke sind jedoch nur noch selten zu finden.

Quelle: Heimatverein Siegerland e.V.

Hüttental

Das von der Industriegeschichte Siegens geprägte Hüttental war einst das Zentrum der heimischen Eisen- und Stahlproduktion. Zahlreiche Hüttenwerke entstanden hier und machten das Siegerland zu einer der bedeutendsten Eisenregionen Europas. Der Name „Hüttental“ erinnert an diese Tradition. Heute verbindet die Hüttentalstraße (HTS) als wichtige Verkehrsachse die Stadtteile und ermöglicht einen schnellen Zugang zur modernen Universitätsstadt. Die industrielle Vergangenheit lebt in Denkmälern wie dem Monte Schlacko oder historischen Gebäuden weiter.

Das Hüttental, ein bedeutendes Gebiet der Siegener Industriekultur, erstreckt sich entlang der Flüsse Sieg und Ferndorf und umfasst die heutigen Stadtteile Geisweid, Weidenau und angrenzende Gebiete. Seinen Namen verdankt es der hohen Dichte an Hüttenwerken und metallverarbeitenden Betrieben, die das Gebiet seit dem Mittelalter prägten.
Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Hüttental zu einem Zentrum der Eisen- und Stahlindustrie. Ortsteile wie Buschgotthardshütten, Fickenhütten, Haardt, Meinhaardt, Münkershütten, Müsenershütten und Schneppenkauten bildeten zusammen mit Weidenau einen Schwerpunkt der Eisenindustrie und des Bergbaus.

Die industrielle Blüte des Hüttentals wurde durch die geographische Lage und die natürlichen Ressourcen begünstigt. Die Wasserkraft der Flüsse Sieg und Ferndorf spielte eine entscheidende Rolle bei der Energieversorgung der Hüttenwerke. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Region von einer landwirtschaftlich geprägten Siedlung zu einem bedeutenden Industriestandort.

Heute erinnern zahlreiche Industriedenkmäler und Museen an die reiche Geschichte des Hüttentals. Sie geben Einblicke in die Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie und deren Einfluss auf die Region Siegen.

Quelle: Wasser Eisen Land

Gontermann-Peipers

Die 1825 gegründete Firma Gontermann-Peipers gehört zu den ältesten Unternehmen der Siegerländer Industriegeschichte. Ursprünglich als kleine Gießerei für Walzwerke gestartet, entwickelte sie sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem international führenden Hersteller von Walzen und Gussprodukten. Mit Sitz in Siegen steht Gontermann-Peipers bis heute für Qualität „Made in Siegerland“ und ist ein wichtiger Partner der Stahl- und Aluminiumindustrie weltweit.

Johann Heinrich Breitenbach und seine Frau Wilhelmine Catharina gründeten den Betrieb im Siegener Stadtteil Sieghütte, wo sie Gussteile im eigenen Haus formten und am nahegelegenen Hochofen bearbeiten ließen. Nach Breitenbachs Tod 1855 führten seine Tochter Catharina und deren Ehemann Gustav Gontermann die Firma unter dem Namen Gustav Gontermann GmbH weiter.

1883 gründete der Industriepionier Emil Peipers nahe der Hainer Hütte eine Gießerei unter dem Namen Commandit-Gesellschaft Emil Peipers & Cie. 1894 erhielt er ein Patent für ein verbessertes Verfahren zur Herstellung von Hartgusswalzen, bei dem eine spezielle Kokille die Abkühlung optimierte. Drei Jahre später übernahm Gustav Gontermann das Unternehmen und errichtete 1899 in Marienborn ein neues Werk, das in den folgenden Jahren stetig erweitert wurde. 1914 wurden sämtliche Aktivitäten der Sieghütte dorthin verlagert.

1927 fusionierten die Unternehmen Gustav Gontermann und Emil Peipers zur Gontermann-Peipers AG. Die Werke in Marienborn und Hain wurden zu den zentralen Produktionsstätten des neu entstandenen Unternehmens. Während des Zweiten Weltkriegs erlitten beide Standorte schwere Schäden, konnten jedoch nach Kriegsende schrittweise wieder aufgebaut werden.

1950 entwickelte Gontermann-Peipers den innovativen Stahlverbundguss, bei dem unterschiedliche Stahlwerkstoffe in einem Gussstück vereint werden – eine Kernkompetenz, die bis heute besteht. In den folgenden Jahrzehnten folgten wichtige Fortschritte im Schleudergießverfahren sowie die Ausstattung des Werks Marienborn für die Herstellung von Schwerstwalzen.

Heute ist Gontermann-Peipers ein weltweit anerkannter Hersteller von Walzwerkswalzen und Gussprodukten. Die lange Firmengeschichte zeigt, dass Erfolg stets von den Menschen getragen wird, die mit Erfahrung, Innovationsgeist und Durchhaltevermögen die Zukunft gestalten.

Quelle: Gontermann Peipers

Hainer Hütte

Die Hainer Hütte, gegründet im Jahr 1830, war eines der zentralen Hüttenwerke im Siegerland und ein bedeutender Teil der regionalen Eisenindustrie und gilt als ältester Hochofen der Region. In der Blütezeit der Industrialisierung wurde hier Roheisen und später Stahl produziert, das vor allem für die aufstrebende Eisenbahn- und Maschinenbauindustrie von großer Bedeutung war.

Das Werk spielte eine Schlüsselrolle in der Entwicklung des Siegerlands als Eisenregion und beschäftigte über Jahrzehnte zahlreiche Arbeiter aus der Umgebung. Mit dem Strukturwandel in der Stahlindustrie verlor die Hainer Hütte jedoch an Bedeutung und wurde schließlich geschlossen.

Heute erinnert kaum noch etwas an die ursprüngliche Anlage. Doch ihr Name bleibt ein Symbol für die industrielle Vergangenheit Siegens und die enge Verbindung der Region zur Eisen- und Stahlproduktion.
 

 

Hainer Stollen

Der Hainer Stollen in Siegen ist ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Industriekultur und spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte des Bergbaus und des Kulturgutschutzes während des Zweiten Weltkrieges.

Ursprünglich unter dem Namen "Alte Silberkaute" bekannt, wurde der Stollen erstmals 1859 urkundlich erwähnt, obwohl der Bergbau in der Region vermutlich bis ins 16. Der Stollen erstreckt sich über eine Länge von rund 720 Metern unter dem Siegberg.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Hainer Stollen ab 1941 zu einem Luftschutzbunker umgebaut, der auf einer Fläche von 2.230 Quadratmetern bis zu 3.000 Personen Platz bot. Er diente auch als Depot für wertvolle Kunstschätze, darunter der Aachener Domschatz mit den Gebeinen Karls des Großen, Originalgemälde von Peter Paul Rubens und Handschriften von Ludwig van Beethoven.

Im April 1945 entdeckten amerikanische Soldaten, die so genannten Monuments Men", diese Kunstschätze im Hainer Stollen. Die Soldaten dokumentierten ihren Fund mit Fotografien, auf denen sie unter anderem mit den Kronjuwelen posierten.

Heute erinnert der Hainer Stollen an die industrielle Vergangenheit Siegens und die Bedeutung des Denkmalschutzes. Er ist ein wichtiger Teil der regionalen Industriekultur und Zeugnis der wechselvollen Geschichte der Stadt. Weitere Informationen und Einblicke in die Geschichte des Hainer Stollens erhalten Sie auf der Website der Siegener Unterwelten. 

Anreise:
Von Siegen Hbf aus die Bahnhofstraße entlang geht es über das Kölner Tor und die Kölner Straße hinauf in die Oberstadt.