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Industriekultur in Geisweid

Haus Heinbach

Das Haus Heinbach wurde im Jahr 1752 errichtet. Im Bestandsplan von 1840, der den Marktplatzbereich umfasst, ist das zweigeschossige Fachwerkgebäude am Sohlbach als eines der ältesten Häuser im Stadtteil Klafeld-Geisweid verzeichnet. 1985 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt. Drei Jahre später, im Jahr 1988, ging das Eigentum durch einen Kauf auf die Stadt Siegen über. In einem Zeitraum von vier Jahren erfolgten umfangreiche Aufräumungs-, Entkernungs- und Ausbauarbeiten, bei denen zahlreiche Klafeld-Geisweider Vereine beteiligt waren. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten wurde das Haus im Jahr 1994 feierlich wiedereröffnet.

Das Haus Heinbach beherbergt eine Vielzahl historischer Exponate. Viele dieser stammen aus dem Nachlass des 2002 verstorbenen Heimatfreundes Franz Seelbach oder wurden aus der Sammlung Jo Schneider angekauft, darunter Fotos und Karten. Neben dem Haus wurde ein Modell der Marktschule errichtet, das von den Sängern des MGV Concordia Frohsinn zur 900-Jahr-Feier im Jahr 1979 erstellt wurde. Die Marktschule bestand von 1819 bis 1959, wobei ihr Vorgängerbau bereits Johann Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling, als Lehrer diente. Er unterrichtete dort vom 1. Dezember 1759 bis zum 29. September 1760. Hinter dem Haus befindet sich der Hammer III der früheren Hammerschmiede der Stahlwerke Südwestfalen aus dem Jahr 1944.

Ein großer Raum innerhalb des Hauses beherbergt zahlreiche historische Fotografien und dient gleichzeitig als Veranstaltungsraum für Familienfeiern. Seit 2004 ist die Stadt Siegen als Eigentümerin des Hauses für die Betriebskosten und jährliche Reparaturen bis zu einer Höhe von 500 Euro verantwortlich. Das Haus steht unter einem Leihvertrag mit dem Heimat- und Verkehrsverein Hüttental e.V.

Sehenswürdigkeiten in Klafeld

Klafeld, erstmals 1079 urkundlich erwähnt, bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die seine historische und kulturelle Bedeutung widerspiegeln. Ein herausragendes Beispiel ist das Heimathaus, das Haus Heinbach in der Sedanstraße 3.

Ein weiterer bedeutender Ort ist der historische Marktplatz, auf dem bereits 1759-1760 der bekannte Pädagoge Jung-Stilling unterrichtete. 1882 beschloss die Gemeinde Klafeld die Einrichtung eines jährlichen Krammarkts. In den folgenden Jahren prägten verschiedene Entwicklungen das Areal. Seit 2005 schmückt die Skulptur "Masselnschläger" von Prof. Karl-Henning Seemann den Platz. Eine Gedenktafel erinnert seit 2006 an Ignaz Bruck, der 1945 auf dem Marktplatz ermordet wurde. Trotz verschiedener Verlegungen und Anpassungen blieb der Wochenmarkt bis 2021 ein zentrales Thema.

Auch das Geisweider Rathaus und sein Umfeld beeindrucken mit zahlreichen Kunstwerken. Seit 1974 prägt eine stilisierte Hochofen-Skulptur von Wolfram Gaffron das Bild, die 2002 restauriert wurde. 2015 wurden großformatige Reliefs von Hermann Kuhmichel sowie weitere Exponate, darunter eine Schweißplastik "Arbeit und Leben", ins Rathaus integriert. 2021 wurde zudem die "Hüttental-Stele" von Rainer Paul an ihrem ursprünglichen Standort in der Rathausstraße wieder aufgestellt. 

Die Wenschtsiedlung, gegründet 1952 zur Linderung der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg, bot insbesondere Flüchtlingen und Heimatvertriebenen ein Zuhause. Der Dr.-Dudziak-Park mit seinen zwei Schwanenteichen gehört zu den herausragenden Merkmalen der Siedlung. Umfangreiche Sanierungs- und Begrünungsmaßnahmen erfolgten von 2017 bis 2021, unterstützt durch das Land NRW. Seit Mai 2021 ist die Siedlung als "Denkmal des Monats" ausgezeichnet, und es gelten strenge Erhaltungs- und Gestaltungsvorgaben. Heute leben rund 4000 Menschen in der einst prämierten Gartenstadt, und der Heimatverein bietet Führungen an.

Quelle: Traute Fries

Haardter Hütte (1417–1932)

Die Haardter Hütte wurde erstmals 1417 als „Blashütte vor der Haardt“ urkundlich erwähnt. Bereits 1445 begann dort die Herstellung von Geschützen in der Gießerei, später wurden auch Motivplatten für gusseiserne Öfen produziert. Mit der Industrialisierung wurde 1848 eine Dampfmaschine in Betrieb genommen. In den 1880er-Jahren erfolgte die Umwandlung in die offene Handelsgesellschaft „Haardter Hüttengewerkschaft Berg & Cie“, bevor sie 1888 in eine Aktiengesellschaft überführt wurde. 1898 wurde die Hütte an die benachbarte Rolandshütte AG in Weidenau verkauft und stillgelegt. Nach einem kurzen Wiederanblasen der Hochofenanlage im Jahr 1906 wurde die Hütte in den 1920er-Jahren nur noch gelegentlich zu Versuchszwecken betrieben. Schließlich wurde sie 1932 abgebrochen.

Der Ort Haardt, eine der sechs Hüttenorte, wurde 1888 zusammen mit dem Dorf Weidenau zur Gemeinde Weidenau zusammengeschlossen. Zu dieser Zeit hatte Haardt etwa 900 Einwohner, während Weidenau insgesamt etwa 4.700 zählte.

Haardter Hammerwerk (1417–1942)

Das Haardter Hammerwerk wurde ebenfalls 1417 erstmals erwähnt. Der gewerkschaftliche Hammerbetrieb wurde 1848 eingestellt, und 1851 erfolgte die Umwandlung in ein Puddelwerk mit zwei Puddelöfen und vier Schweißfeuern. Bereits 1855 wurde der Betrieb in „Fuchs und Co.“ umbenannt. Um 1860 waren zwei Dampf- und zwei Wasserhämmer in Betrieb, und 1868 wurde ein Walzwerk angegliedert. Dieses Walzwerk wurde 1900 von der Bremer Hütte übernommen, jedoch bereits 1916 stillgelegt.

Gießhalle Geisweider Eisenwerke

Die Gießhalle der Geisweider Eisenwerke wurde 1902 als Teil des zweiten Hochofens zur Überdachung des Gießplatzes und der Kranbahn errichtet. Damals wurde Roheisen noch in Sandrinnen gegossen und anschließend von Masselschlägern zerschlagen. Diese Gießhalle gehört zu den letzten Überbleibseln des 1846 gegründeten Puddelwerks.

Die wichtigsten Meilensteine der Geisweider Eisenwerke umfassen die Gründung 1845 durch J.H. Dresler, die Errichtung des ersten Hochofens 1872 und die Umbenennung in „Geisweider Eisenwerke AG“ 1879. 1889 wurde das erste Siemens-Martin-Stahlwerk in Betrieb genommen, und 1902 folgte der Bau des zweiten Hochofens. Nach Stillstand während des Ersten Weltkriegs und wirtschaftlicher Krisen wurde das Werk 1920 von Thyssen und Klöckner übernommen und Teil der Vereinigten Stahlwerke AG.

Nach der Zerschlagung der VESTAG wurde das Werk 1951 Teil der Stahlwerke Südwestfalen AG. 1978 wurde ein 140-Tonnen-Elektrolichtbogenofen installiert, der heute noch in Betrieb ist. Der letzte Hochofen im Siegerland, Hochofen 2, wurde 1981 abgebrochen. Das Werk, das heute zur Deutschen Edelstahlwerke GmbH gehört, stellt Edelstahl aus Schrott her. Von den einst 7.000 Arbeitsplätzen sind heute noch etwa 1.100 erhalten.

Quelle: Gießhalle Geisweider Eisenwerke • Bauwerk und Denkmal » outdooractive.com

Wenscht

In den 1950er-Jahren ließ die Stahlwerke Südwestfalen AG unter der Leitung von Arbeitsdirektor Dr. Erich Dudziak die Siedlung Wenscht in Siegen-Geisweid errichten, um den Wohnungsmangel der Nachkriegszeit zu lindern. Eine dreijährige Beschäftigung in den Stahlwerken war Voraussetzung, um ein Baugrundstück zu erhalten, und die Gebäude entstanden größtenteils in Eigenleistung. Besonders die „Vordere Wenscht“, eine Gartenstadt mit Laubenganghäusern, zeichnet sich durch hohe städtebauliche Qualität aus. Namhafte Künstler gestalteten zahlreiche Skulpturen und Fassaden, die der Siedlung eine künstlerische Note verleihen.

Die Entstehung des Wenscht steht im Zusammenhang mit der Expansion der Stahlindustrie im Siegerland nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Stahlwerke boten vielen Vertriebenen aus dem ehemaligen deutschen Osten eine Lebensgrundlage. Auf Initiative von Dr. Dudziak sollten Wohnungen und Häuser in naturnaher Umgebung entstehen. Ende 1950 wurde das Gebiet in der Gemeinde Klafeld für die Bebauung freigegeben.

Der Bau der Siedlung erfolgte in drei Phasen: Zuerst entstand das „Hintere Wenscht“ (Planungsbeginn 1950), gefolgt vom „Oberen Wenscht“ ab 1952, und schließlich das „Vordere Wenscht“. Die Bebauung des Vorderen Wenscht wurde mit Mitteln des sozialen Wohnungsbaus gefördert und galt als Vorzeigeprojekt moderner Wohnraumentwicklung. Insgesamt entstanden 220 Eigenheime, 310 Mietwohnungen, 20 Wohnungen in einem Geschäftsbereich und 60 Wohneinheiten in einem Ledigenheim. Die Planung umfasste zudem alle notwendigen Einrichtungen wie Geschäfte, Kindergärten, Schulen, eine Milchbar, Post, Apotheke, Grünflächen, Spiel- und Sportplätze sowie evangelische und katholische Kirchen mit dazugehörigen Jugendräumen. Eine großzügige Parkanlage mit einem Teich und Spielplätzen verband die Siedlung harmonisch mit der umgebenden Landschaft.

Die Gartenstadt „Vordere Wenscht“

Das Vordere Wenscht wurde als Gartenstadt konzipiert und ist ein eigenständiger Bereich der Siedlung. Diese Planungsidee war für das Siegerland in ihrer Größe und Ausführung einzigartig. Eigenheime und Mietwohnungen wurden erstmals in längeren Baukörpern zusammengefasst. Die Westfälische Wohnstätten AG aus Dortmund sowie die Architekten Helmut Erdle und Karl Brunne entwarfen gestaffelt angeordnete Reihenhäuser und Laubenganghäuser, die sich harmonisch in die Hanglage einfügen. Die Talaue, begrenzt durch die Wenschtstraße und den Albichweg, blieb von Bebauung frei und wurde als öffentlich zugänglicher Park mit Spielplätzen und einem Schwanenteich gestaltet.

Die Gesamtplanung zeichnet sich durch eine naturnahe Gestaltung aus, die Freiflächen, Waldstreifen und parkähnliche Anlagen umfasst. Diese Elemente verleihen der Siedlung eine Großzügigkeit und Weite, die trotz der dichten Bebauung den Eindruck von Offenheit vermittelt. Platzähnliche Straßenerweiterungen und der harmonische Übergang zur umliegenden Landschaft machen das Vordere Wenscht zu einem beispielhaften Projekt des sozialen Wohnungsbaus und der modernen Stadtentwicklung.

Quellen:
Gartenstadt Wenscht – eine ganz besondere Siedlung | Unser Siegen
Gartenstadt "Das vordere Wenscht" Siegen, Stadtplanung - baukunst-nrw
Das Vordere Wenscht - Wohnen in Siegen im Wenscht
Das Vordere Wenscht - Geschichte eines Wohngebiets als Gartenstadt

Monte Schlacko

Der Monte Schlacko, das Wahrzeichen des Siegener Hüttentals, entstand aus der Schlacke der "Bremer Hütte", die von 1873 bis 1930 in Betrieb war. Die Schlacke wurde mit einer Seilbahn zur Halde transportiert, woran heute noch ein Eisenpfeiler auf dem Gipfel erinnert. Ursprünglich eine karge Mondlandschaft, entwickelte sich das Gebiet im Laufe der Jahre zu einem Naturschutzgebiet, in dem sich auf dem nährstoffarmen und schwermetallhaltigen Boden seltene Pflanzen- und Tierarten ansiedelten.

Das Naturschutzgebiet "Schlackenhalde Monte Schlacko" stellt einen wertvollen ökologischen, kulturhistorischen und landschaftsästhetischen Bereich am Stadtrand von Siegen dar. Die flachen Böschungen und die ebene Kuppe sind mittlerweile von Birkenwald bewachsen. In den unteren Hangbereichen entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte ein artenreicher Eichen-Birkenwald, der seltenen Pflanzenarten einen Lebensraum bietet.

Der Boden der Halde enthält teilweise Schwermetalle, was zu einer besonderen Selektion an Pflanzen führt, die auf solche Bedingungen spezialisiert sind. Die offenen, vegetationslosen Flächen sind für verschiedene Tierarten von Bedeutung. Besonders die unbeschatteten Plateauflächen erwärmen sich stark und bieten seltenen Solitärbienen sowie anderen Insekten einen wertvollen Lebensraum.

Die Geschichte des Monte Schlacko ist eng mit der Bremerhütte verknüpft, die 1872/73 von Bremer Kaufleuten auf dem Geisweider Grundstück "In der Lache" errichtet wurde. Bis 1900 wurde die anfallende Schlacke auf dem Werksgelände entsorgt. Aufgrund von Platzmangel erwarb die Hütte ein Gelände auf der Ley, wohin die Schlacke bis Ende 1929 per Seilbahn transportiert wurde. Der letzte Schornstein wurde 1934 gesprengt, wobei 180.000 Ziegelsteine für den Hausbau gewonnen wurden. Heute erinnern der "Bremer Platz" auf dem DEW-Betriebsgelände sowie das Kellergeschoss des früheren Verwaltungsgebäudes an das Unternehmen. Der Monte Schlacko selbst bleibt als imposantes Überbleibsel der Industriegeschichte bestehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schlackensand zeitweise als Ersatz für Rheinsand beim Wiederaufbau verwendet. Die dadurch entstandene Abbaukuhle wurde später mit Erdaushub aus dem Universitätsbau wieder aufgefüllt. Historische Fotos dokumentieren diese Entwicklungen, wobei einige aus der Sammlung des Hobbyforschers Torsten Kirsch stammen, der sich intensiv mit der Geschichte Weidenaus beschäftigt.

Bereits in den 1940er Jahren gab es erste Begrünungsversuche, bei denen Schulkinder unter Anleitung von Rektor Schmidt Samen auf der Halde verteilten, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Ein erneuter Versuch in den 1970er Jahren, bei dem 500.000 DM investiert wurden, brachte ebenfalls keine dauerhafte Begrünung.

Die Halde erhielt im Laufe der Jahre verschiedene Namen, darunter "Piz Palü", "Fudschijama" und "Kamerunberg". Der Name "Monte Schlacko" ist hingegen im Ruhrgebiet für Abraumhalden üblich. Die Bedeutung der Halde wurde 1952 unterstrichen, als sie als Symbol der Hüttenindustrie in das Wappen der Gemeinde Klafeld-Geisweid aufgenommen wurde.

Literatur zu diesem Thema, insbesondere das Buch "Der Monte Schlacko - die Graue Eminenz des Hüttentals" von Kristian Kosch aus dem Jahr 2007, bietet weitere Einblicke in die bewegte Geschichte dieser markanten Landmarke.

Quelle: Monte Schlacko • Bauwerk und Denkmal » outdooractive.com

Anreise:
Mit dem Bus (R10 oder R51) vom Siegener Busbahnhof / ZOB bis zur Haltestelle „Geisweid ZOB“ fahren. Von dort aus sind es 5-10 Minuten zu Fuß zu den einzelnen Industriedenkmälern.