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Industriekultur in Eiserfeld

Der traditionsreiche Siegener Stadtteil Eiserfeld (mundartlich „Esafählde”, „Esafähl” oder „Iserfell”) bietet mit seiner einzigartigen Industriekultur einen spannenden Einblick in die wirtschaftliche und soziale Geschichte des Siegerlands. Wie der Name „Eiserfeld” bereits vermuten lässt, dreht sich hier alles um die Eisenverhüttung und den Bergbau. Der zweitgrößte Ort der Stadt verkörpert die Geschichte der Region, denn hier wird deutlich, wie das Stadtbild und die Gesellschaft einst geprägt wurden und bis heute davon beeinflusst sind. Noch heute sind einige Spuren der Industriekultur in Eiserfeld zu sehen, denn die Umgebung hat sich rund um den Bergbau entwickelt.

Eiserfelder Wappen

Das Wappen des Siegener Stadtteils Eiserfeld verbindet die Geschichte des Ortes mit seiner Bergbautradition. Zu sehen sind der Eingang des Reinhold-Forster-Erbstollens sowie ein Teil des Siegener Stadtwappens. Es verdeutlicht die hohe Bedeutung des Eiserfelder Zentrums für den Erzbergbau. Das in der Region abgebaute Eisenerz war die Grundlage für die Entstehung zahlreicher Hüttenwerke und Schmieden.

Quelle: regioport-siegerland.de/de/siegen/historische-spuren-in-eiserfeld

Reinhold-Forster-Erbstolln

Der Reinhold-Forster-Erbstolln ist das wohl prominenteste Relikt der Bergbaugeschichte und ein beeindruckendes Denkmal der Industriekultur. Er nahm am 21. März 1805 erstmals den Betrieb auf. Er diente dazu, die Tretenbacher Gänge zu erschließen. Dies umfasste zahlreiche Einzelgruben, darunter die Eisenzeche, Kirschenbaum, Schlänger & Eichert, Scheuer und Kalteborn. Seinen Namen verdankt der Stollen dem Naturforscher und Geologen Johann Reinhold Forster.

Ab dem 4. Oktober 1839 befand er sich im königlichen Besitz. Am 5. November 1842 erhielt er die Rechte als „Königlicher Tiefer Reinhold-Forster-Erbstollen“, um Gruben wie die Eisenzecher, Pfannenberger und Römeler zu erreichen. Im Jahr 1865 ging der Stollen schließlich in den Besitz der Eisenzecher Gruben über.

Mit einer Gesamtlänge von 7.597,5 Metern (einschließlich der Seitengänge) zählt der Reinhold-Forster-Erbstollen, gemessen vom Eingang bis zum Kaiserschacht, zu den längsten Stollen in Nordrhein-Westfalen. Länger ist nur der Schlebuscher Erbstollen südöstlich von Bochum. Der Betrieb des Stollens wurde 1902 eingestellt. Während seiner Bauzeit wurden einige hundert Tonnen Eisenerz sowie geringe Mengen Kupfererz gefördert.

Wie viele andere Stollen im heutigen Siegener Stadtgebiet wurde auch der Reinhold-Forster-Erbstollen während des Zweiten Weltkriegs, in den Jahren 1944/45, als Zufluchtsort vor Luftangriffen genutzt. Er bot besonders den Bürgern von Eiserfeld Schutz in dieser schwierigen Zeit. An der Stelle des Kaiserschachts, an dem einst Förderanlagen standen, befindet sich heute ein Wohngebiet.

Nach seiner Stilllegung diente der Stollen bis 1977 als Sprengstofflager für gewerbliche Zwecke. Heute ist er auf einer Länge von 470 Metern begehbar und seit 1983 als Schaubergwerk für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Reinhold-Forster-Erbstollen ist somit ein technisches Denkmal und ein eindrucksvolles Zeugnis der Siegerländer Bergbaugeschichte.


Carl-Dresler-Turm 
Unmittelbar neben dem Eingang des Reinhold-Forster-Erbstollens befindet sich der Carl-Dresler-Turm. Er wurde nach dem Bergwerksdirektor Carl-Wilhelm Dresler benannt und gehörte zum alten Stollen dazu.

Quelle: www.gewerkschaft-eisenzecher-zug.de/besucherbergwerk

 

Eiserfelder Heimathaus

Ein weiteres Zeugnis der vergangenen Industriekultur in Eiserfeld ist das Eiserfelder Heimathaus. In dem mehr als 300 Jahre alten Fachwerkhaus im alten Ortskern Eiserfelds werden Ausstellungsstücke und Fotos präsentiert, die die Geschichte des Bergbaus, der Eisenindustrie und der Landwirtschaft zeigen. Öffnungszeiten: Von Februar bis November jeden zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung für Gruppen und Schulklassen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind jedoch willkommen.

Quelle: www.siegen-wittgenstein.info/de/poi/museum/eiserfelder-heimathaus/6036622

Sandhalde in der Hubach

Ein weiteres Überbleibsel der Industriekultur ist die Sandhalde In der Hubach. Die Halde mit Hüttensand wurde erstmals im Jahr 1463 im Zusammenhang mit der Eiserfelder Hütte erwähnt.

Diese war eine von zwei Eisenhütten im Ortsgebiet. Im Jahr 1847 wurde die Hütte komplett umgebaut und erhielt ein modernes Zylindergebläse. Bereits 1856 wurde ein Dampfgebläse angeschafft. Zehn Jahre später wurde die Hütte vollständig modernisiert und erweitert. Die Gewerkschaft Güthing & Co. baute einen neuen Hochofen mit Winderhitzern sowie eine Dampfkessel- und Gebläsemaschine. Aufgrund des Dauerbetriebs der Hütte fehlte bald der Platz zum Abladen der Schlacke. Die Hüttenarbeiter pachteten daher ein großes Stück Hauberg gegenüber der Hütte und transportierten die Schlacke dorthin. Diese Halde ist heute noch gut zu erkennen. Nach dem Bau der Eisern-Siegener Eisenbahn und dem Anschluss der Hütte im Jahr 1883 erlebte diese einen starken Aufschwung.

Im Jahr 1913 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Am 1. Juli 1918 erwarben die Kölsch-Flözer-Werke in Siegen die Hütte. Zwischen 1923 und 1937 konnte die Hütte aufgrund mangelnden Absatzes nicht betrieben werden. Trotz des Stillstands wurde weiter investiert und in den Jahren 1925/26 ein Turbogebläse installiert. Im Jahr 1935 ging die Hütte an die Gontermann-Peipers AG in Siegen über.

Quelle: www.regioport-siegerland.de/de/siegen/historische-spuren-in-eiserfeld

 

Eisenzecher Zug

Die Grube „Eisenzecher Zug“ gehörte zu den größten und tiefsten Eisenerzgruben im Siegerländer Erzrevier und zählte zeitweise sogar zu den bedeutendsten in ganz Europa. Mit über 20 angeschlossenen Einzelgruben bildete sie einen der größten Bergwerksverbände der Region. Der Berg- und Hüttentechniker Johann Philipp Becher bezeichnete sie 1789 ehrfürchtig als „Königin der Eisensteingruben“.

Der Eisenzecher Gangzug erstreckte sich rund zwei Kilometer in nordöstlich-südwestlicher Richtung. Neben den später zur Verbundgrube gehörenden Zechen waren auch andere Betriebe auf diesem Erzgang aktiv – allen voran die spätere Betriebsabteilung Concordia bei Dermbach. Im Bereich des Eisenzecher Stollens war der Gang 258 Meter lang und zwischen 8 und 18 Meter mächtig; im Reinhold-Forster-Erbstollen verkürzte sich die Länge auf 124 Meter, während die Mächtigkeit dort auf 16 bis 24 Meter anwuchs.

Ab 1900 begann eine Phase stetiger Modernisierung: 1910 entstanden neue Fördergerüste, eine Zwillingsfördermaschine für den Kaiserschacht und Schacht II wurde angeschafft, und der Erztransport erfolgte fortan mit Fahrdrahtloks. Elektrisch betriebene Kreiselpumpen hielten das Grubenwasser in Schach, und Druckluftbohrhämmer erleichterten den Abbau. Es entstanden eine einfache Aufbereitung sowie 32 Röstöfen, 1912 ergänzt durch eine elektromagnetische Aufbereitungsanlage. Die Belegschaft wuchs von 780 Bergleuten im Jahr 1901 auf 920 im Jahr 1905, davon 700 im Tiefbau. Die Erzförderung nahm kontinuierlich zu: Zwischen 1901 und 1910 wurden 2,1 Millionen Tonnen gewonnen, 1914 erreichte die Jahresförderung mit 313.106 Tonnen ihren Höchstwert.

1914 übernahm die Hoesch AG aus Dortmund die Grube. Trotz einer Rekordbelegschaft von 1.100 Arbeitern musste der Betrieb am 18. November 1923 infolge der Wirtschaftskrise eingestellt werden. Eine kurze Wiederaufnahme der Förderung endete 1932 erneut mit der Stilllegung. Seit dem 1. Mai 1930 stand die Grube unter der Verwaltung von Storch & Schöneberg. 1934 arbeiteten wieder 600 Bergleute hier, bis 1939 stieg die Zahl auf 654. 1943 waren es 820, doch bereits ein Jahr später wurde der Betrieb eingestellt.
Nach Kriegsende nahm die Grube 1945 den Betrieb wieder auf. Der Hauptschacht, der bis zur 970-Meter-Sohle mit Wasser geflutet war, wurde leergepumpt. Im Juni 1946 lief auch die Aufbereitungsanlage wieder an. Mit 355 Beschäftigten wurden in diesem Jahr 18.584 Tonnen Eisenerz, 39 Tonnen Kupfererz und 81 Tonnen Schwefelkies gefördert – verglichen mit früher bescheidene Mengen.

1953 wurde die Grube in die Erzbergbau Siegerland AG eingegliedert. Ein Jahr später erreichte der bis dahin genutzte Kaiserschacht mit 1.343,33 Metern Gesamttiefe den Rekord als tiefste Grube Europas. 1957 ging sie an die Grube Pfannenberger Einigkeit in Salchendorf über.

Ein einschneidendes Ereignis war der Brand in der Nacht vom 16. auf den 17. September 1953, bei dem die nassmechanische Rohspataufbereitung vollständig zerstört wurde. Sie wurde nicht wieder aufgebaut, was 1954 zu einer vorübergehenden Stilllegung führte. Ab dem 1. Juli 1957 erfolgte die Erzverarbeitung in der zentralen Aufbereitung der Pfannenberger Einigkeit. Möglich machte dies eine 2,5 Kilometer lange, unterirdische Verbindung, die die 670-Meter-Sohle der Eisenzeche mit der 800-Meter-Sohle des Pfannenbergs verband. Die Schächte der Eisenzeche dienten fortan dem Material- und Personentransport.

Trotz dieser wirtschaftlichen Zusammenlegung musste der Betrieb schließlich aufgegeben werden. Am 29. Februar 1960 wurde die Grube mit zuletzt 150 Beschäftigten stillgelegt. In den letzten neun Betriebsjahren (1951–1960) wurden 378.230 Tonnen Erz gefördert. Insgesamt brachte die Grube, einschließlich der Nebenbetriebe, 14,6 Millionen Tonnen Spateisenstein zu Tage, davon allein 11.065.879 Tonnen aus dem Eisenzecher Zug.

Heute wird das Gelände industriell genutzt. Der Name „Kaiserschacht“ ist nach wie vor bekannt – und sogar auf Landkarten verzeichnet.

Quellen:
www.gewerkschaft-eisenzecher-zug.de/gewerkschaft-eisenzecher-zug
de.wikipedia.org/wiki/Eisenzecher_Zug

 

Eiserfelder Grubenweg

Wenn Sie die Geschichte der Industriekultur hautnah erleben möchten, sollten Sie Eiserfeld besuchen und in die Vergangenheit eintauchen. Im Jahr 2010 hat die Gesamtschule Eiserfeld im Rahmen des Projekts „Gemeinnützig handeln“ einen Rundweg gestaltet, der die Überreste verschiedener Gruben im Gebiet von Eiserfeld beleuchtet.

Der etwa 8 Kilometer lange Rundwanderweg startet am Marktplatz in Eiserfeld und führt zunächst die Helsbachstraße hinauf. Bereits nach rund 100 Metern erreichen Sie die erste Station: die ehemalige Waschkaue (Waschraum) der Grube „Bau auf Gott“. An der Infotafel, die sich am heutigen Wohnhaus befindet, können Wanderer nicht nur die Geschichte der Grube kennenlernen, sondern auch spannende Einblicke in den Alltag der damaligen Bergleute gewinnen.

Von dort geht es weiter in Richtung des Eiserfelder Freibads. Doch was haben dessen Umkleideräume mit der einstigen Grube Otto Herbert zu tun? Über die Menage am Kaiserschacht führt der Weg weiter zu den Gruben „Wilder Bär“ und „Grüner Jäger“.

Wer möchte, kann einen kleinen Abstecher machen, um den historischen La-Tène-Ofen links vom Weg zu besichtigen. Anschließend geht es über die „Drei Hohlwege“ zur fünften Station, der Grube „Grauebach“. Von dort aus führt der Weg zurück nach Eiserfeld.

Am Marktplatz angekommen, haben die Wanderer nicht nur den Kaiserschacht umrundet, sondern auch etwa 170 Höhenmeter bewältigt. Der Rundweg ist mit einem gelben Schild markiert, das gekreuzte Bergbauwerkzeuge – Hammer und Schlegel – sowie den Schriftzug „EGW“ zeigt.

Quelle:
www.gesamtschule-eiserfeld.de/Konzepte/GH/Grubenweg/10/SZ

Anreise:
Mit dem Bus (C100 oder R22) vom Siegener Busbahnhof / ZOB bis zur Haltestelle „Eiserfeld Ortsmitte“ fahren. Von dort aus sind es 5-10 Minuten zu Fuß zu den einzelnen Industriedenkmälern.